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Museum der Jurassischen Truppen

Unter dem Namen "Espace muséal des troupes jurassiennes" wird bis voraussichtlich Ende 2019 eine neue Ausstellung im Museum von St. Imier aufgebaut. Es wird die bewegte Geschichte der Fusstruppen des Berner Juras zeigen. Dank dem grossen Engagement von Walter von Känel werden rund 25 Infanteristen gezeigt: Soldaten ab dem 13. Jahrhundert bis heute, die mit dem Gebiet des heutigen Kanton Juras verbunden sind.

Wir wurden damit beauftragt zusammen mit Andreas Laubacher, welcher als Projektleiter für die Figurenausstattung zuständig ist, die Uniformen und Accessoires für die Ausstellung vorzubereiten. Es sollen so viele originale Uniformteile wie möglich verwendet werden. Bei den älteren Darstellungen ist dies jedoch nicht möglich, sodass wir diese Figuren komplett reproduzieren. 

Auch wenn wir schon viele Replikate hergestellt haben, ist dieses Projekt in seinem Umfang für uns etwas Spezielles. Es wird besonderes Augenmerk auf Details, authentische Materialien und zeitgenössische Herstellungsarten gelegt. Neben der aufwendigen Recherche in zeitgenössischen Schriften und Zeichnungen ist auch die Herstellung der Kleider, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände eine zeitintensive Angelegenheit. So werden die sichtbaren Nähte der Stücke bis Anfangs 20. Jahrhundert von Hand genäht, so wie dies auch früher der Fall war. Das Auftreiben von authentischen Stoffen, Leder, Knöpfen und sonstigen Kleinteilen ist eine spannende Aufgabe, da die Verarbeitungsweise der Materialien sich über die Jahrhunderte stark verändert haben. Dies erhöht den zeitlichen Aufwand massiv, ergibt jedoch ein stimmiges Bild einer früheren Zeit.

Wir möchten hier von Zeit zu Zeit einen Einblick in die Arbeiten geben.

Berner Füsiliere zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Als erste Figuren sollen zwei Füsiliere entstehen, wie sie im Berner Jura um 1818 und 1829 anzutreffen waren.

Die Mannequins wurden speziell für die Anforderungen und Positionen nach unseren Wünschen hergestellt. Leider sind sie noch nicht eingetroffen, und ohne die definitiven Masse betätigen wir uns zuerst an Accessoires. 

Für jede Figur erstellen wir Skizzen um eine Übersicht über die einzelnen Teile zu erhalten. Hier die provisorischen Illustrationen der beiden Berner:

  • 1818-Bern
  • 1829-Bern

Anhand der Tschakos wird sichtbar, wie aufwendig die detaillierte Reproduktion ist. Die Schuppenbänder der Berner mit jeweils 3 Ziegeln sind eine Eigenheit und wurden nicht wie viele andere Teile beispielsweise aus Frankreicht importiert oder kopiert. So mussten wir diese speziell anfertigen. Die früher aus Weissblech (verzinnter Stahl) hergestellten Einzelteile haben wir aus Stahl lasern lassen. Hier wurde auf die historische Herstellung verzichtet, da die Werkzeugherstellung die Kosten bereits schon ins Unendliche getrieben hätte. Danach wurde die Z-förmige Biegung mit einem Werkzeug aus dem 3D-Drucker in die Einzelteile geschlagen. Nach dem Verzinnen wurden die Teile auf einem Leder befestigt und zusammen mit dem Bindbändel rückseitig verschlossen.

Die fertigen Schuppenbänder werden mittels einer Stern-Rosette am Tschako befestigt. Da diese ebenfalls eine spezielle Grösse haben, wurden sie neu angefertigt. Dazu haben wir von einem Original durch das galvanoplastische Verfahren Kopien erstellt und diese verzinnt.

  • 1-gelaserte_und-galvanoplastische-Teile
  • 2-Schuppenteile-mit-Werkzeug-aus-dem-3d-Drucker-gebogen
  • 3-Schuppenband-ruckansicht
  • 4-Schuppenbaender-halb-verschlossen
  • 5-Sternrosetten-unfertig
  • 6-Fertige-Schuppenbaender-mit-Rosetten

Als nächstes galt es, die Woll-Kokarden zu kopieren. Für solche kleinen Webarbeiten sind in der Schweiz kaum noch Partner zu finden, so dass wir die Kokarden nach Originalen und den Beschreibungen im Reglement selbst gewoben und plissiert haben. 

  • 1-Weben
  • 2-Plissieren
  • 3-die-fertigen-Kokarden-mit-Pompons-und-Ganse

Die Gamaschen sind bereit für die Anpassung am Mannequin. Knöpfe und Steg werden ganz am Ende angepasst. Sämtliche sichtbaren Nähte wurden hier von Hand genäht, so auch das Innenfutter und die Knopflöcher. So sind sie von Originalen kaum zu unterscheiden. 

  • Gamaschen-handgefertigt

Die nächste Figur in der Reihe wird ein Eidgenössischer Füsilier der Ordonnanz 1852 sein. Wir haben mit dem Schild in Form einer halben Sonne begonnen, welcher den Tschako zieren wird. Dazu hatten wir das Glück von einem seltenen Original ohne Nummer eine Kopie machen zu können, um danach die gewünschten Bataillonsnummern auszusägen.

  • 1-Original-und-Kopie-der-blanken-Sonne
  • 2-Sonnen-1852-mit-ausgesaegten-Zahlen
  • 3-die-fertigen-Abzeichen

Mannequins

Um den Anforderungen für das Museum gerecht zu werden, mussten die Mannequins neu konstruiert werden. Die Figuren sollten flexibel und trotzdem stabil genug sein, um auch schwere Ausrüstungsgegenstände wie Tornister und Waffen zu tragen. Auch die Grösse und aussehen sollte einem Soldaten aus vergangenen Zeiten nahe kommen. Die heute gängigen Mannequins sind eher gross und sportlich.

Um die verschiedenen gewünschten Positionen hinzubekommen wurden die Arme aus drei Gelenken gebaut. Je nach getragener Uniform werden die Arme dann mehr oder weniger mit Schaumfolie ausgestopft. Der Hals wurde so konstruiert, dass der Übergang zwischen Torso und Kopf auf bei niedrigem Kragen nicht sichtbar ist.

Der Weg von den ersten Versuchen bis zum fertigen Mannequin:

  • 1-Testfigur
  • 4-Versuch-mit-flexiblem-Arm
  • 5-Versuch-mit-flexiblen-Beinen
  • 6-fertige-Form-von-Hals-und-Kopf
  • 7-fertige-Form-von-Torso-mit-Arm
  • 8-ganzer-Koerper
  • 9-fertige-Figur

 

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